Eiskargletschermessung 14.9.2019

Das Gletscherhaushaltsjahr 2018/19

Das Winterhalbjahr in den Karnischen Alpen lässt sich in einem Satz rasch zusammenfassen:

Anfang pfui, Ende hui!

Der September und Oktober brachten überdurchschnittliche Temperaturen und keine nennenswerten Schneefälle. Das Hochwasserereignis Ende Oktober sorgte erst zum Schluss für etwas Neuschnee im Eiskar. Der November und Dezember blieben dann über Wochen hinweg fast niederschlagsfrei und somit lag Ende Dezember 2018 nur eine dünne Schneedecke am Gletscher.

Auch im Jänner 2019 setzte sich die Trockenheit in den Karnischen Alpen weiter fort. Erst zum Monatswechsel gab es das erste ergiebige Schneefallereignis des Winters. Dieses fiel dafür aber Anfang Feber gleich sehr kräftig aus und brachte im Eiskar rund 2m Neuschnee. Im weiteren Monatsverlauf als auch im März schneite es im Eiskar aber wieder nur wenig. Im April kam es jedoch bis zum Monatsende wiederholt zu teils kräftigen Schneefällen. In Kötschach-Mauthen war es der niederschlagsreichste April seit über 30 Jahren. In Summe kamen über den gesamten Monat mehr als 3m Neuschnee zusammen und auch Anfang Mai setzte sich die winterliche Wetterlage mit weiteren Schneefällen fort. Mit einer Durchschnittstemperatur von ca. 0°C (rund 3K unter dem Mittel 1981-2010) fiel der Mai als Schmelzmonat fast komplett aus. Das Ende der winterlichen Akkumulationsperiode wird im Eiskar mit dem 30.5.2019 festgelegt (vgl. 2018: 13. April).

Mit Beginn des klimatologischen Sommers am 1. Juni setzte jedoch mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen starke Schneeschmelze ein.

 

Mit Beginn des klimatologischen Sommers am 1. Juni setzten jedoch mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen starke Schnee- und in weiterer Folge Eisschmelze ein, welche ohne nennenswerte Unterbrechung bis Anfang September anhielt. Auffallend war dabei, dass der Juni der wärmste der drei Sommermonate war.

Blick von Osten über den extrem stark mit Schutt bedeckten Eiskargletscher
Blick von Osten über den extrem stark mit Schutt bedeckten Eiskargletscher

Aussehen des Gletschers am Messtag

Mitte September 2019 war ein Großteil des Eiskars frei von Altschnee und Firn. Nur im Bereich der Gletscherzunge beobachteten wir noch  mehrere 0,5 bis 1,5 m mächtige Altschneefelder. Weiters bedeckten noch Firnrücklagen  in Form eines schmalen Saumes den Eisscheitel und einige Abschnitte der Gletscherzunge. Diese  Altschnee- und Firnrücklagen verhinderten  auch im Jahr 2019 ein Abreißen der Gletscherzunge am Zungenansatz.
Blankeis trat nur an wenigen Stellen im Bereich des Eisscheitels zu Tage. Der Großteil des Gletschers war, wie schon in den letzten Jahren, von Schutt bedeckt.
Die beiden Aperstellen  im östlichen Gletscherteil sowie an der Gletscherzunge wurden heuer teilweise neu eingemessen.
Knapp unterhalb des einst mächtigen zentralen Lawinenkegels gab es noch immer eine großteils mit Schutt gefüllte  Gletscherspalte, eine weitere kleine Gletscherspalte befand sich westlich des zentralen Lawinenkegels.

Der höchste Punkt des Gletschers ist ebenfalls schon sehr stark mit Schutt bedeckt und fast frei von Altschnee bzw. Firn
Der höchste Punkt des Gletschers ist ebenfalls schon sehr stark mit Schutt bedeckt und fast frei von Altschnee bzw. Firn

Messergebnisse

Die Längenmessung zum Eisrand konnte nur an den Messmarken G06 und L05 durchgeführt werden, wobei als Vergleichswert zum Jahr 2018 nur jener bei der Marke G06 Gültigkeit besitzt. Hier konnte ein eindeutiger Rückzugswert festgestellt werden.

Zur Berechnung des jährlichen Einsinkens der Eisoberfläche wurden erstmals am 5.10.2008 an drei unterschiedlichen Stellen Pegelstangen in das Gletschereis gebohrt, wobei der Pegel (A) im östlichen Gletscherabschnitt sowohl am 29.6.2016 als auch am 8.9.2019 erneuert wurde.  Der Pegel (B) im Bereich des Eisscheitels  wurde am 8.9.2018 neu gesetzt (B2), wenige Meter höher wurde im Blankeis ein Vergleichspegel (B1) eingebohrt. Der Pegel (C) im westlichen Gletscherabschnitt wurde, da er in der Mehrzahl der Jahre seit 2008 firnbedeckt blieb, noch nicht nachgebohrt. Beim Pegel (A), welcher im östlichen schuttbedeckten Gletscherlappen in ca. 2180 m Höhe liegt und repräsentativ für die schuttbedeckten Gletscherbereiche ist, sank die Gletscheroberfläche seit dem 8.9.2018 um 1,1 m ein; seit 2008 nahm die Höhe der Gletscheroberfläche hier um 6,9 m ab .

An den Pegeln (B2) und (B1) im Bereich des Eisscheitels ergab die heurige Messung im Vergleich zum Vorjahr  ein Einsinken der Gletscheroberfläche  um 0,6 m bzw. 0,9 m.  Beim Pegel (B2) ist die Gletscheroberfläche seit 2008  insgesamt um 4,9 m eingesunken.
 
Der westliche Pegel (C) lag am 14.9.2019 unter Firn und konnte nicht nachgemessen werden. Für den Zeitabschnitt zwischen  2008 und 2017 - damals war der Pegel letztmals sichtbar- wurde ein  Einsinken von 2,7 m ermittelt.
 
Rund 7 % des Gletschers waren am Messtag mit Altschnee und 11% mit Firn bedeckt. Auf 8% des Gletschers trat Blankeis zu Tage. Die übrigen 74 % der Gletscheroberfläche waren mit Schutt bedeckt.

 

Aus den gesammelten Daten lässt sich am  Eiskargletscher für das Haushaltsjahr 2018/19 ein Massenverlust abschätzen, welcher im Bereich von -760 mm Wasseräquivalent liegt. Das entspricht etwa einer durchschnittlichen Eisabnahme von 75 cm.

Blick über den Eisscheitel nach Osten. Am Fuße der mächtigen Moräne hält sich noch ein schmaler Firnsaum, welcher die Nachmessungen erschwert.
Blick über den Eisscheitel nach Osten. Am Fuße der mächtigen Moräne hält sich noch ein schmaler Firnsaum, welcher die Nachmessungen erschwert.

Arbeiten am Gletscher

Aufgrund des sehr kleinen Messteams wurden heuer nur wenige Zusatzarbeiten am Gletscher durchgeführt. Im Bereich des Eisscheitels wurde ein am Gletscher liegender Felsblock neu eingemessen um die Fließbewegung des Gletschers in diesem Bereich abschätzen zu können.

Im östlichen Gletscherteil wurde unter großer Anstrengung und unter Zuhilfenahme von Temperaturmessungen versucht den Eisrand unter der teils über 70 cm mächtigen Schuttschicht zu lokalisieren. Es konnte zumindest nachgewiesen werden, dass der Gletscher in diesem Bereich etwas weiter nach Osten reicht, als zuletzt angenommen.

Blick durch den zum Teil noch mit Firn bzw. Altschnee bedeckten Trog der Gletscherzunge nach Süden hinauf zur Kellerwand
Blick durch den zum Teil noch mit Firn bzw. Altschnee bedeckten Trog der Gletscherzunge nach Süden hinauf zur Kellerwand

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