Witterungsübersicht
Nach der Gletschermessung 14.9.2025 geht es relativ mild weiter, ehe eine Kaltfront im Zusammenhang mit einem Mittelmeertief am 24. September 2025 die Schmelzsaison beendet. Am Morgen des 25.9. ist das Eiskar das erste Mal angezuckert.
Am 5. Oktober fallen schließlich die ersten Zentimeter Neuschnee. Die folgenden knapp drei Wochen verlaufen in den Karnischen Alpen niederschlagsfrei. Erst am 23. Oktober setzt Regen ein, der schließlich in Schnee übergeht. Im Eiskar reicht es jedoch neuerlich nur für wenige Zentimeter Neuschnee. Bis zum Monatsende kommt es zu keinen weiteren nennenswerten Schneefällen.
Das nächste Italientief sorgt schließlich am 2. November 2025 für kräftigen Niederschlag in den Karnischen Alpen. Wie schon Ende Oktober liegt die Schneefallgrenze zunächst sehr hoch und erst zum Ende des Niederschlagsereignisses wenig unter 1700m. Im Eiskar fallen von den knapp über 60mm Niederschlag nur etwa 10 in fester Form. Bis Mitte November bleibt es im Eiskar trocken. In der zweiten Monatshälfte kommt es in den Karnischen Alpen mehrmals zu leichten bis mäßigen Niederschlagsereignissen, welche im Eiskar durchwegs in Form von Schnee fallen. In Summe fallen zwar knapp 70cm Neuschnee, stürmischer Nordwind verfrachtet den frischen Pulverschnee jedoch umgehend, somi weist die Schneedecke auch Anfang Dezember nur eine geringe Mächtigkeit auf.
Vom 25. November weg fällt bis zum 24. Jänner (also zwei Monate lang) fast kein Niederschlag in den Karnischen Alpen. Die wenigen Zentimetmer, welche zum Beispiel am 24.12.2025 fallen, werden vom stürmischen Nordwind rasch wieder verblasen.
Erst ab dem 24. Jänner folgt eine niederschlagsreiche Phase. Binnen Monatsfrist (bis 20.2.2026) fallen in der Plöckenregion knapp 200mm Niederschlag. Im Eiskar fällt der gesamte Niederschlag in Form von Schnee und die Gesamtschneehöhe steigt auf rund 150cm an. Der Feber ist somit der erste Monat des Winterhalbjahres, welcher überdurchschnittliche Niederschläge bringt.
Aber bereits die letzte Feberwoche sowie die ersten beiden Märzwochen verlaufen in den Karnischen Alpen sehr trocken. Im März gibt es überhaupt nur um den 14. des Monats ein Schneefallereignis, welches im Eiskar rund 30cm Neuschnee bringt.
Der April verläuft in den Südalpen extrem niederschlagsarm. Im ganzen Monat kommt es im Eiskar zu keinen nennenswerten Schneefällen. Ganz im Gegenteil: Anhaltender Hochdruckeinfluss sorgt für außergewöhnlich mildes Wetter. Die Temperaturen liegen Anfang April um bis zu 7°C über dem langjährigen Mittel. Durch das Fehlen von Neuschnee sowie durch die hohen Temperaturen kommt es bereits zu anhaltender Schneeschmelze, wodurch das Ende der winterlichen Akkumulationsphase schon auf den 25.3.2026 gelegt werden muss.
Im Mai setzt sich das Tauwetter bis zu den Eisheiligen in abgeschwächter Form weiter fort. Genau zu den Eisheiligen sorgt ein Kaltluftvorstoß aus dem Norden zusammen mit einem Mittelmeertief nochmals für nennenswerten Neuschnee in den Karnischen Alpen. Im Eiskar fällt nochmals über ein halber Meter Neuschnee. Neuerlich sorgt aber stürmischer Nordwind nach dem Schneefall für starke Verfrachtung und bereits eine Woche nach den Eisheiligen steigen die Temperaturen auf Rekordwerte für den Mai. Über das Pfingstwochenende sorgt die erste Hitzewelle des beginnenden Sommers für starke Schneeschmelze.

Fazit:
Der Winter 2025/26 (Oktober bis Mai) bringt im Eiskar nicht einmal 50% der mittleren Niederschlagsmenge (Mittel 1991-2020). Besonders auffallend ist dabei, dass gerade der Frühwinter zum zweiten Mal in Folge extrem schneearm ausfällt. Einzig von Ende Jänner bis Ende Feber kommt es zu nennenswerten Schneefällen in den Karnischen Alpen. Der Frühling 2026 verläuft nicht nur extrem schneearm sondern auch ausgesprochen mild, wodurch das Ende der Akkumulationsperiode bereits mit 26. März 2025 festgelegt werden muss. Das letzte nennenswerte Neuschneeereignis datiert vom 15. Mai, auf welches aber unmittelbar die erste sommerliche Hitzewelle folgt.

Bei der Begehung am 31. Mai gab es nur mehr ganz vereinzelt Neuschneereste vom Schneefallereignis am 15. Mai. Trotzdem war selbst die oberste Schneeschicht relativ weich.
Wie schon in den letzten Jahren wurde auch heuer (bereits zum 16. Mal) im Frühjahr an 21 Punkten die Schneehöhe mittels einer Lawinensonde gemessen.
Gleich bei den ersten Messungen im östlichen Gletscherabschnitt lagen die Schneehöhen deutlich unter dem Wert vom letzten Jahr. Bis zum Eisscheitel hinauf lagen nicht mehr als 1,6m (und damit um 3m weniger als im Mittel).

Dramatisch wenig Schnee liegt im Frühjahr 2026 im Bereich des Wandfußes. Im Mittel von 7 Sondierungen sind es nur 1,8m! Im Durschnitt der letzten 16 Jahre beträgt die Schneehöhe im Bereich des Wandfußes um diese Zeit des Jahres 6,3m. Dies bedeutet, dass hier mehr als 4m auf einen durchschnittlichen Winter fehlen.

Auch im Bereich des Eisscheitels liegt heuer sehr wenig Schnee, wenngleich der Unterschied hier zumindest zum letzten Jahr nicht so groß ist. Mit einer durchschnittlichen Schneehöhe von 3,2m fehlen aber in diesem Bereich mehr als 5m auf einen "normalen" Winter.

Obwohl die Gletscherzunge im Jahr 2025 endgültig vom Hauptgletscher abgerissen ist, wurde auch heuer wieder die Schneehöhe am verbleibenden Toteiskörper der Gletscherzunge gemessen. Mit einer durchschnittlichen Schneehöhe von 4,1m fehlen auch hier fast 4m auf das Mittel der letzten Jahre (7,8m).
Seit dem Beginn der Schneemessungen vor 16 Jahren im Frühling 2011 lag um diese Zeit des Jahres noch nie so wenig Schnee wie heuer.
Die mittlere Schneehöhe (aus 21 Messungen) beträgt nur 2,2m (bisheriger Negativrekord 2012: 2,6m). Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt fehlen über den ganzen Gletscher rund 4m (Mittel: 6,4m, 2026: 2,2m).
Im Gegensatz zu anderen Jahren stellte die Sondierung der Schneehöhe nicht nur aufgrund der geringen Schneehöhe keine großen Herausforderungen an das kleine Team sondern es war auch die Schneedecke sehr homogon und verfügte über keinerlei eingelagerten Eisschichten oder dichtere Schneepakete.
Wenn man bedenkt, dass in einem Sommermonat rund 3m Schnee abschmelzen, kann davon ausgegangen werden, dass der Eiskargletscher heuer bereits Anfang Juli mehr oder weniger aper sein wird. In normalen Jahren ist dies erst im Laufe des Monats August der Fall.
Die Schneehöhenmessungen von Ende Mai 2026 legen den Schluss nahe, dass es am südlichsten Gletscher Österreichs im Jahr 2026 zu einem deutlichen Längen- und Massenverlust kommen wird.